Lektion 1, Thema 1
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Impuls: Modell der sechs Haltungen (25 Minuten) Copy Copy

Achte auf deine Gedanken

 

 

Vergegenwärtigen wir uns einmal die oben stehende Weisheit. Danach dürfen wir auf unsere Gedanken achten, denn sie werden zu unseren Gefühlen. Die Gefühle werden zu Worten. Worte werden zu Handlungen. Und wiederholte Handlun­gen werden zu Gewohnheiten. Auf diese Weise entsteht bei uns eine Gewohn­heitshaltung, mit der wir im bereits erwähnten Gedanken-Automatismus auf die Herausforderungen des Alltags meist unbewusst und automatisch reagie­ren. Da unser Denken unsere Sprache im Innern mit uns selbst und äußerlich mit anderen bestimmt, können wir uns daran unsere aktuelle Haltung bewusst machen.

Zur Veranschaulichung, wie sich im Laufe des Tages aufgrund unterschiedlicher Situationen unsere Haltung ändern kann, sei hier ein Beispiel aus dem Buch von Permantier angeführt:[1]

Haltung im Alltag

Abbildung 1: Wechsel der Haltungen im Laufe des Tages[2]

Morgens im Straßenverkehr können wir oft Situationen beobachten, die selbst­orientiert und impulsiv sind. In manchen Fällen kommt es uns so vor, als wäre jemand im „Kampfmodus“ oder auf der Flucht. Unbewusst fühlt sich vielleicht der eine oder andere bedroht und reagiert aus der selbstorientierten-impulsi­ven Haltung heraus.

Werden wir von der Polizei angehalten, gehen wir automatisch in eine Gehor­samkeitshaltung, die sogenannte gemeinschaftlich-konformistische Haltung. Wir fühlen uns wie ein Kind dabei ertappt, etwas Gesetzeswidriges getan zu haben. Jetzt müssen wir die Konsequenzen ertragen.

Im Büro angekommen, gehen wir in die rationalistisch-funktionale Haltung, in der wir uns daran gewöhnt haben, nach rein äußeren Effizienzzielen zu arbei­ten und praktisch keine Eigeninitiative zu entfalten.

Bei einem Vortrag im Umfeld von Kunden nehmen wir eine eigenbestimmte und souveräne Haltung ein, mit der wir uns selbstbestimmt präsentieren. Wir finden uns großartig und äußerer Erfolg, Status und Anerkennung stärken unser Souveränitätsempfinden.

Am späten Nachmittag beraten wir empathisch und zugewandt einen guten Freund, wie er eine andere Perspektive in Bezug auf ein persönliches Problem einnehmen könnte. Wir selbst nehmen dazu eine relativierend-individualistische Haltung ein, die uns mehrere Möglichkeiten und einen Per­spektivwechsel erlaubt.

Abends in der Familie angekommen, begleiten wir liebevoll unsere Kinder dabei, einen Konflikt zu lösen. Wir erspüren die Bedürfnisse, sind uns unserer Rolle und unserer Wirkung bewusst. Aus dieser systemisch-autonomen Hal­tung können wir unser Verhalten bewusst empathisch modulieren und unter­stützend handeln.

Gerade in der system-autonomen Haltung übernehmen wir bewusst Verant­wortung für unsere Gedanken und unser Verhalten. Die Basis für eine Selbst­entwicklung ist die Selbstverantwortung.

Übertragen wir dieses Haltungsmodell im weiteren Beispiel auf Führung, dann könnte dies folgendermaßen aussehen:

Haltung bei Führung

Abbildung 2: Verschiedene Haltungen in Bezug auf geeignete Führung[3]

Eine Führungskraft, die sehr Ich-bezogen ist und alles persönlich nimmt, neigt zu einer selbstorientiert-impulsiven Führung. Sie sieht sich als das Machtzent­rum. Die Mitarbeiter müssen gehorchen und werden mit Drohungen und Zwang geführt.

Auch bei einer gemeinschaftsbestimmt-konformistischen Haltung ist Gehor­sam angesagt. Die gesamte Organisation ist hierarchisch aufgebaut, mit Befehlsketten von oben nach unten. Mitarbeiter werden als Ausführungskräfte gesehen und Feedback von ihnen ist nicht gewollt.

In einem Großteil heutiger Organisationen wird vorrangig aus einer rationalis­tisch-funktionalen Haltung geführt. Diese Führungsform orientiert sich an Zahlen, Daten und Fakten. Das Unternehmen soll wie eine effiziente Maschine funktionieren, in der jedes Rädchen („humane Ressourcen“) seine Funktion erfüllt.

In der eigenbestimmt-souveränen Haltung richtet sich Führung mehr an den Mitarbeitern aus. Empowerment und Stärkenorientierung mit individuell ange­passten Stellenprofilen sorgen für mehr Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten des Einzelnen. Die Führung mit flexiblen Zielen erlaubt mehr Eigenverantwor­tung.

Voraussetzung für die Ideale von „New Work“ sind die Zeitsouveränität, Selbst­führung, Selbstverantwortung, Vertrauensarbeitszeit und Augenhöhe, um die wesentlichen zu nennen. In der Führung ist dafür eine relativierend-individualistische Haltung notwendig, damit sich die Organisation offener und agiler aufstellen kann. Bei den Mitarbeitern setzt dies ebenfalls eine entspre­chende Reife, insbesondere bei der Selbstführung und der Selbstverpflichtung voraus.

Im Rahmen einer systemisch-autonomen Haltung geht die Entscheidungs­kompetenz vom Einzelnen aus. Hier geht es vorrangig um die Sinnerfüllung, bei der der Mensch als Ganzes gesehen wird. Charakteristisch für diese Führungs­form ist das langfristige Denken, offene Ehrlichkeit und globale Verantwortung. Vom „Ich“ über das „Wir“ hin zum Denken an „Alle“. Solche noch seltenen Orga­nisationsformen bieten einen Wachstumsraum für jeden.

Ähnlich, wie in unserem Beispiel von dem Tagesablauf, wechseln wir situations­bedingt auch die Haltungen bei der Führung in Unternehmen. Oft sind es Mischformen, die die Führungskraft, entweder bewusst oder unbewusst auto­matisch einnimmt. Und genau das ist hier die Herausforderung: Es geht darum, das eigene Denken besser zu durchschauen und ein „Konstrukt­gewahrsein“, also eine Haltung zu entwickeln, die uns größere innere Freiheitsgrade ermög­licht.

 

Wir können über unsere Haltung entscheiden! Immer!

 

Dabei gibt uns die Wahrnehmung des „Ich-Wir-Alle“ Orientierung. Je mehr die eigene Haltung an übergeordneten Themen oder Menschen ausgerichtet ist, desto mehr verschwindet das Ego. Dieser Wandel der Perspektive bringt neue Erfahrungen mit sich, die in der „automatischen Haltung“ keinen Platz haben.

Quellen

Permantier Martin, Haltung entscheidet: Führung & Unternehmenskultur zukunftsfähig gestalten [Buch]. – München : Vahlen; Auflage: 1 (30. Juli 2019) (eBook), 2019. – 978-3800660636.

[*] Zitat Charles Reade, (1814 – 1884), englischer Schriftsteller, der zu seiner Verbreitung verholfen hat; es wird einem Sprichwort aus China zugeschrieben – oft auch fälschlicherweise dem Talmud.

[1] Vgl. (Permantier, 2019), Seite 122, 123.

[2] Vgl. (Permantier, 2019), Seite 122, 123.

[3] Vgl. (Permantier, 2019), Seite 132, 133.

 

Hinweise zur Vertiefung

Wer in das Thema tiefer einsteigen möchte, dem sei das Buch von Martin Permantier, „Haltung entscheidet“ (Permantier, 2019) sehr ans Herz gelegt.

Wer es etwas kompakter in Form eines YouTube Videos erleben möchte, kann dies mit folgendem Link machen: https://youtu.be/BeNmGw1-7Xo, ca. 25 Minuten.

Oder als Podcast unter: https://youtu.be/WxD5uitkkP8, ca. 32 Minuten.